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Im Jahre 2005 feierten wir das 75jährige Jubiläum

 


 

Informationen von Marco Volken, Ferdinand Mengis und Erich Weissen hier...


 

Walliser in der Fremde

Wem ist das Schicksal der Auswanderer nicht bekannt, die, in der Not gehorchend, ihre Walliserheimat verlassen mussten, um in fremden, unbesiedelten  Alpentälern eine neue Lebensgrundlage zu erschaffen?

Weniger Beachtung findet die zweite Welle der Auswanderer, die ebenfalls aus einem zwingenden Grund, ihre Urheimat, als Einzelgänger oder als Familiensippe verlassen , um in der Fremde ein Auskommen und eine Bleibe zu finde. Man nennt sie Heimwehwalliser, in Wirklichkeit sind es Neuwalser.

Durch aufrichtiges Verhalten, Fleiss und Arbeitswillen, finden sie in der Fremde gute Aufnahme und eine liebgewordene Bleibe. Die Fremde wird ihnen zur zweiten Heimat, obwohl die Wurzeln stets noch nach dem Rhonetal greifen.

Die neuen Auswanderer finden sich in den verschiedenen Agglomerationen der Schweiz in Vereinen zusammen, pflegen ihre Sprache und vertrautes Brauchtum, Kultur und ihre mitgebrachte Geistesart. Besuche in der Urheimat werden aber stets zu einem besonderen Erlebnis.

Der Walliserverein Luzern wurde am 15. Mai 1930 gegründet und bietet den Walliserinnen und Wallisern der Gegend eine heimatliche Oase. Er feiert nun dieses Jahr ein stolzes Jubiläum, wozu man ihm herzlich gratulieren kann.

Mag sein, dass vielleicht einmal von einer Wallisergemeinde eine Einladung an alle Walliservereine der Schweiz ergeht, eine gemeinsame Heimattagung zu veranstalten. Das könnte zu einem unvergesslichen Grossereignis werden.

Hannes Taugwalder
Walliser-Schriftsteller

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Fotos: Josef Ritler

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Rückblick

Das waren noch Zeiten...

Rückblick von Josef Ritler

Heimwehwalliser in der Innerschweiz. In der guten Stube hängt ein Bild vom Natischer Maler Anton Mutter an der Wand. Es zeigt das Matterhorn in seiner majestätischen Pracht. Die Ehefrau richtet die Walliser Tracht her. Der Ehemann ölt seine Stimme mit einem Schluck Fendant und übt das Lied der Heimat „Mis Gletscheralphittli“ von Brantschen.

Der Fähndrich holt die Walliser Fahne aus dem Fahnenkasten und poliert die Stange. Der Dirigent packt die Notenblätter ein, der Theaterregisseur de Requisiten. Ein Unterhaltungsabend des Walliservereins Luzern ist angesagt. Im Hotel Gotthard in Luzern, im Jahre 1962. Eintritt Fr. 2.50, Saalabzeichen Fr. 1.-.

Der Abend war ein grosser Erfolg. Der Schwank „s’vertlehnt Eifamiliehüüsli“ von Franz Schulz und Emil Braun unter der Regie von Josef Ritler hat alle zum Lachen gebracht. Das Chörli unter der Leitung von Stefan Lehner – „D’Lit heind no nix im Glasji“ – eroberte die Herzen der Zuschauer. Und alle summten mit, als es das Lied „Ihr Berge lebt wohl“ sang.

Später liest man im Jahresbericht des damaligen Präsidenten Dr. A. Sarbach:“Es war ein sehr gelungener Abend. Aber auch Negatives wird festgehalten:“Es seien zu viele Lieder gesungen worden, es sei immer dunkel gewesen, beim Tombolaverkauf, beim Essen, keine Zeit zum reden. Bei den Fenstern sei es kalt gewesen. Letztes mal im Gotthard“.

Inzwischen sind 42 Jahre vergangen. Das Hotel Gotthard gibt es nicht mehr. Auch das Chörli und die Theatergruppe des Walliservereins existieren nicht mehr. Was geblieben ist, sind die Erinnerungen an eine Zeit, als man mit einem Unterhaltungs-Abend noch Säle füllen konnte.

Und das waren doch einige. Im Jahre 1963 wurde im Hotel Kolping der Dialektschwank „Alles üs Verzwifliig“ von Arthur Brenner aufgeführt. Das Programm war im Walliser Dialekt abgefasst und las sich so:“Trio Bertos spielt än Eröffnigsmarsch, d Stephan Lehner seit a, nachhär wird gsungu. Dr Ferdinand Zenhäusern verzellt epis usum Wallis und am Schluss „Machet alli s’Nastüech bereit und tanzut numme fäscht.“

Auch Walliser Künstler traten später in Luzern auf. Der unvergessliche Conferencier Landi Venetz aus Brig und Michel Villa aus Leuk füllten Säle.

Der Walliserverein Luzern pflegte schon immer gute Kontakte mit dem Walliser Klub Zürich. Man lud sich gegenseitig ein und die Zürcher führten im Jahre 1964 am Walliser-Abend das Dialektspiel „Luschtspyl in eim Üfzug“ von Jakob Stebler auf.

Eingeladen waren auch immer Gäste vom Berner-, Obwaldner- und Nidwaldner Verein. Den grössten Anlass führte unser Verein am 17. Juni 1962 in Luzern durch. Sämtliche 32 Walliservereine aus der ganzen Schweiz nahmen am Wallisertreffen teil. Nach einem Umzug durch die Leuchtenstadt und einer Messe in der Jesuitenkirche, zelebriert von unserem Landesbischof Nestor Adam, erholte man sich anschliessend auf einer Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee.

Und heute? Wir feiern den 75. Geburtstag. Das Bild von Maler Anton Mutter hängt immer noch an der Wand. Der Fähndrich holt die Fahne und die Frau die Tracht nur noch selten aus dem Schrank. Die Notenblätter vergilben in der Schublade und der Walliserverein sucht nach neuen Wegen, Heimwehwalliser für das Vereinsleben zu gewinnen.